Tabak und Cocain in der Alten Welt

Dr. Dominique Görlitz im Gespräch mit Michael Friedrich Vogt. Es ist eines der ungelösten Probleme der modernen Wissenschaft, ob sich die vorkolumbischen Völker der Neuen Welt völlig unabhängig von kulturellen Einflüssen der Alten Welt entwickelt haben. Viele Wissenschaftler geben zu, daß es viele — und häufig bemerkenswerte — kulturelle Übereinstimmungen zwischen der Alten und Neuen Welt gibt. Dennoch können sie bisher keine eindeutige Antwort auf diese Frage geben. Diese Grundauffassung wird auch dadurch unterstützt, daß die Entwicklung der Landwirtschaft nicht in allen Regionen der Welt gleichzeitig stattfand.

Mehrere überseeisch verbreitete Kulturpflanzen widersprechen jedoch der allgemeinen Ansicht einer völlig eigenständigen Kulturentwicklung in der Alten und der Neuen Welt vor 1492. Das sind von altweltlicher (Europa und Afrika) Seite der afrikanische Flaschenkürbis und die Baumwolle. In umgekehrter Richtung lassen sich insbesondere in ägyptischen Mumien hohe Konzentrationen von Nikotin und Cocain nachweisen — beides Alkaloide von Kulturpflanzen, die bei den amerikanischen Ureinwohnern seit Jahrtausenden in Verwendung standen.

Dabei steht im Zentrum der Diskussion, ob dieVerbreitung dieser Kulturpflanzen außerhalb ihres angestammten Gebietes durch den Menschen geschahen und deshalb so genannte „anthropogene Kosmopoliten“ – also menschengemachte Weltbewohner sind. Oder sind sie doch irgendwie auf natürlichem Weg in entfernte Regionen der Welt gekommen? In der Fachsprache wären sie dann sehr alte, heute ausgestorbene „Reliktendemiten“ gewesen.
Als Endemiten werden in der Biologie Pflanzen oder Tiere bezeichnet, die nur in einer bestimmten, räumlich klar abgegrenzten Umgebung vorkommen. (Diese sind in diesem Gebiet in der Fachsprache endemisch.) Dabei kann es sich um Arten, Gattungen oder Familien von Lebewesen und Pflanzen handeln, die ausschließlich auf bestimmten Inseln oder Inselgruppen, Gebirgen, in einzelnen Tälern oder Gewässersystemen heimisch sind. Beispiel: Die Darwinfinken sind auf den Galapagosinseln endemisch, da sie weltweit nirgendwo sonst vorkommen.

Reliktendemiten sind Arten mit ursprünglich vermutlich weiterer Verbreitung. Sie sind aber im Laufe der Zeit durch Änderung der Lebensbedingungen oder neue Konkurrenten fast überall ausgestorben und konnten nur in einem kleineren Gebiet noch überleben. Ein Beispiel wäre der „Wurzelnde Kettenfarn“ (Woodwardia radicans), der heute in den Lorbeerwäldern der Kanarischen Inseln und in kleineren Gebieten am Mittelmeer vorkommt. Man nimmt an, daß es sich um das Relikt einer Art handelt, die vor Urzeiten, im Tertiär, unter wärmeren und feuchteren Lebensbedingungen sehr viel weiter verbreitet war.

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